Donnerstag, 21. Februar 2008

¡Hablemos chileno!

Man glaubt ja doch erst, was man an eigenem Leib erfährt.
So war das auch mit mir und dem Chilenisch… Ich habe zwar schnell gemerkt, dass das Spanisch, was hier in Chile gesprochen wird nicht ganz dem Spanisch aus den Kursen in der Uni entspricht, aber dass es in Südamerika zwischen den einzelnen Ländern solch großen Unterschiede gibt, nee, dass habe ich meinen Mitarbeitern nicht so richtig abgenommen.

Vier Monate später und zwei Ländererfahrungen reicher muss ich mich allerdings geschlagen geben.

Die Chilenen sprechen Chilenisch!

Eigentlich hätte ich schon stutzig werden müssen, als sich meine lieben Kollegen, in den ersten zwei Wochen intensiv bemüht haben, mir den „spanischen Akzent“ abzugewöhnen und mir die mexikanischen Ausdrücke, die mir Blanca und Martín in den Kopf gesetzt hatten, wieder auszutreiben. Weg mit dem Lispeln, weg mit den ganzen ‚S’ an den Wortenden und her mit ein paar typisch chilenischen Ausdrücken. So wurde aus einem „¿Cómo estás?“ „Más o menos, no más.“ (etwa: „Wie geht es dir?“ “So lala”) schnell ein “¿Cómo estai?“ „maomenonoma“…

Und als diese Wendungen der Zunge dann endlich saßen, da haben sie sich so richtig gefreut.

In Bolivien und Argentinien habe ich dann gemerkt, wie schnell man sich an die chilenischen „modismos“ gewöhnt und wie wenige von ihnen auch in den anderen südamerikanischen Ländern angewandt und verstanden werden. Und eins wurde mir auch klar: die Chilenen sprechen nicht das korrekteste, nicht das langsamste und nicht das sauberste Spanisch, aber sympathisch ist es allemal!
Die Bolivianer habe ich nach drei Monaten in Chile als geradezu langsam empfunden. Die haben so deutlich gesprochen, es war toll, ich habe jedes Wort verstanden und vor allem auseinander halten können. In Argentinien wird auch ein wenig langsamer gesprochen als hier in Chile, allerdings wird statt den ‚ll’ und ‚y’ immer eine Art ‚sch’ gesprochen.


Und jetzt, für alle die irgendwann auch die Chance haben Chile zu bereisen, hier kleine und große Abenteuer zu erleben und die Chilenen kennen zu lernen: ein kleiner Einblick in meine liebsten typisch-chilenischen Ausdrücke.

¡Hablemos chileno, chicos!

Das kleine Wörtchen „poh“, das eine Abwandlung und Abkürzung von „pues“ (= also) ist, habe ich am schnellsten in mein Vokabular eingebaut. Allerdings ist das auch nicht sonderlich schwer: Man hängt es einfach an jede Antwort an. „Si, poh“, „no, poh“, „ya, poh“… die ursprüngliche Bedeutung des Wörtchens kann dabei ruhig außer Acht gelassen werden.

Wenn man in Chile einem Wort eine besonders starke Bedeutung verleihen will, dann kann man es einfach verdoppeln. Möchte man zum Beispiel einen echten Bohnenkaffee statt des normalen Nescafé, dann bestellt man einfach einen „café café“. Und wenn man ausdrücken will, dass man mitten im Zentrum wohnt, dann sagt man der Einfachheit halber: „Vivo en el centro centro.“

Außerdem verniedlichen die Chilenen sehr gerne. Ist ja auch leicht: einfach ein -ito oder -ita an das Wortende hängen und fertig! Allerdings wird nicht immer ganz zu recht verniedlicht. Denn wenn man freundlich aufgefordert wird ein Momentchen zu warten („Espérese un momentito.“), dann bedeutet das nicht, dass dieser Moment nicht auch eine ganze Weile (ach nee, ein ganzes Weilchen) dauern kann… Man will dem Wartenden den Moment einfach nur ein bisschen schmackhafter machen!

Schwer zu übersetzen und zu erklären ist der Ausdruck „huevón“ (auch weón, gueón, hueón). Sicher ist, dass es eine Personenbeschreibung ist. Es kann sehr freundlich gemeint sein. So wie Freund, Kollege oder Kumpel. Man kann es allerdings auch böse meinen oder aggressiv oder feindlich. Dann wird „huevón“ zum Universalschimpfwort. Es kommt also ganz auf die Betonung an, mit der man einen Satz, eine Frage oder Aufforderung ausspricht. Bastian und ich haben immer mal wieder versucht eine gute Übersetzung für den „huevón“ zu finden und sind mittlerweile zum Schluss gekommen, dass „Alter“ ganz gut passen könnte. Je nachdem mit wem man so spricht… Stimmt aber auch nicht so ganz, denn „huevón“ ist ein Ausdruck, der sich nicht nur auf die Jugendsprache beschränkt sondern kreuz und quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Wenn man die Geschäftsleute im Bus so reden hört, dann kann man sich gar nicht vorstellen, dass sie den „huevón“ während des Arbeitens vor der Tür parken.

Passend zum „huevón“ gibt es dann noch die „hueva“. Die „hueva“ ist ein Ding. Sie kann einfach alles sein und wird für alle Wörter eingesetzt, die einem nicht einfallen oder die man nicht näher umschreiben will oder kann.

Ein unglaublich wichtiges Verb im Chilenischen ist das Verb „cachar“. Als Abwandlung vom englischen „to catch“ wird es immer dann eingesetzt, wenn man klären will, ob jemand alles verstanden hat. Alles klar? Cachai?

So! Ein bisschen fluchen muss natürlich auch sein. Ganz sanft allerdings… wird zum Beispiel verwendet, wenn man sich den Kopf stößt, die Exceltabelle mal wieder nicht will oder einem der Bus vor Nase weggefahren ist. „¡Chucha!“ Geht einem auch schön und schnell von den Lippen.

Richtig gut gefällt mir auch die Bezeichnung „jote“. Wörtlich übersetzt ist es ein Geier, aber wenn man tanzen geht, trifft man hier auch eine Menge „jotes“. In der Disko sind es die Jungs, die ohne Ende um die Mädels kreisen und nicht aufgeben bis sie ein bisschen mehr als ein Lächeln bekommen.

Und zum Schluss: „la rajaaaaaaaa“! Bedeutet einfach nur „der Wahnsinn“, „Hammer“, „supertoll“.

Also, huevones, que lo pasan la rajaaaaaa, po!

Besitos aus Chile von eurer Line*

Keine Kommentare: