Na gut, das ganze Wochenende ist vielleicht übertrieben, aber ich bin Samstagmorgen losgefahren und heute morgen (Montag) nach Santiago zurückgekommen und dazwischen lagen drei Auftaktveranstaltungen zu meinem derzeitigen Lieblingsprojekt, der „educación ambiental“.
Kurz gefasst handelt es sich um ein Projekt, das von Gesundheitsministerium gefördert wird und sich damit befasst, in den ärmeren Stadtteilen von fünf verschiedenen Städten die Bevölkerung auf das Problem „Müll“ aufmerksam zu machen, sie zu informieren und anschließend mit den Anwohnern gemeinsam einen besonders zugemüllten Platz im Stadtteil in ein kleines, sauberes Paradies zu verwandeln. So weit der Plan!
Das Projekt läuft über drei Monate und nachdem im Oktober die Plätze ausgewählt und abgestimmt und der Kontakt zu den Anwohnern und Nachbarschaftsvereinen hergestellt wurde, geht es jetzt richtig los.
In vielen von den armen Vierteln, die auch „tomas“ genannt werden, gibt es solche Nachbarschaftsvereine, die versuchen ein bisschen Struktur in die nur geduldeten „tomas“ zu bringen. Die „tomas“ sind selten an die komplette Versorgung angeschlossen und haben es gegenüber der Stadtverwaltung meistens schwer.
Und um möglichst viele Menschen aufmerksam zu machen und viele Helfer zu finden, gehört zu so einem Projekt auch eine Auftaktveranstaltung mit bunten Rahmenprogramm und Kinderbespaßung.
Da alle fünf ausgewählten Städte in der fünften Region (Valparaiso) im Nordwesten von der Region Metropolitana liegen, bin ich am Samstagmorgen mit dem Bus zu Nata, dem Projektleiter gebraust. Nachdem ich raus gefunden hatte, dass nicht alle Busse an derselben Station losfahren…
Ich weiß, dass ich schon einmal geschrieben habe, dass San Felipe eine kleine Oase der Ruhe ist, aber an diesem Wochenende habe ich erfahren, dass das Haus von Nata und seiner Familie das Paradies in der Oase ist.
Nicht nur, dass es wundervoll und ruhig liegt, nein es ist auch noch richtig gemütlich eingerichtet. Wunderschöne Farben, toll restaurierte Möbel, schöne Kunstwerke an den Wänden und obendrauf herzlichste Gastgeber.
Wir haben dann erstmal zusammen gekocht und ich habe gelernt wie man „Chirimoya alegre“ zubereitet. Chrimoya, das sind grüne Früchte, etwa so groß wie große Äpfel, mit weißem Fruchtfleisch und vielen Kernen. Ich habe die Chirimoya fachgerecht zerlegt und dann mit frischem O-Saft übergossen. Es ist einfach schlecker!
Später dann kam die echte Arbeit. Wir sind in einen Stadtteil von San Felipe gefahren, der für das Projekt ausgewählt wurde und haben Auftakt gefeiert. Es waren „Offizielle“ von der IASA, dem Gesundheitsministerium und der Stadt da und verschiedene Gruppen aus dem Dorf und der Nachbarschaft haben getanzt, gesungen und kleine Theaterstücke aufgeführt.
Wir haben zusammen mit den Kindern einen Malwettbewerb gemacht, bei dem sie zeichnen sollten, wie sie sich ihre Umwelt wünschen. Die Kinder haben mich erst mit großen Augen angestaunt, weil ich hier eben auffalle, aber nach einer Weile sind sie mir dann auf die Pelle gerückt, haben blonde Haare gefühlt, mir in die „bleichen“ Augen gestarrt und mich überall hingeführt.
Als Mentoren haben wir dann mit den Anwohnern gesprochen, Fragen geklärt und Zweifel aus dem weg geräumt.
Nach einem leckeren Essen, bin ich in einem Prinzessinnenbett in einem Prinzessinnenzimmer in einen tiefen und glücklichen Schlaf gefallen.
Am Sonntagmorgen ging es dann weiter. Ich bin mit Mauricio, dem Projektleiter für Viña, einen Ort an der Küste, eben dorthin gefahren. Zu zwei weiteren Auftaktveranstaltungen.
Der Weg nach Viña war einmal mehr spektakulär. Die Gebirgsketten, die Landschaft… jedes Mal durchkribbelt mich das Reisefieber. Als dann plötzlich ein (echter!) Pelikan über uns hinweg flog, da stand mein Mund sperrangelweit offen!
Bei viel Sonnenschein und Wärme haben wir dann in Nueva Aurora und Quilpue wieder informiert, gemalt, gefeiert und uns Löcher in den Bauch fragen lassen. Dieses Mal haben wir mit den Kindern ein großes Banner gemalt, der dann in einer abenteuerlichen Aktion (Leiter auf Stellwand auf dem Dach von der camioneta) aufgehängt wurde.
In Quilpue war der Nachbarschaftsverein richtig aktiv gewesen und hatte alles wunderschön zurecht gemacht. Dort habe ich dann auch zum ersten Mal gesehen, wie man Cueca tanzt, einen traditionellen Tanz hier in Chile. Wichtigstes Zubehör dabei ist ein Taschentuch, das durch die Luft gewirbelt wird… Bestimmt haben die verschiedenen „Taschentuchfiguren“ auch eigene Bedeutungen, aber so tief bin ich noch nicht eingestiegen. Auf jeden Fall war es ein sehr fröhliches Rumgehopse.
Abends sind Mauricio und ich dann zurück nach San Felipe, wo wir einmal mehr mit einem königlichen Mahl bewirtet wurden.
Eins verspreche ich euch: Ich komme mit den Taschen voller Rezepte zurück!
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