Nataniel, der Projektleiter des Projektes zur Umwelterziehung in der Region Valparaiso hatte die Mitarbeiter zu einer Besprechung im gemütlichen Rahmen eines Grillens zusammenbestellt.
Der geschäftliche Teil wurde in den ersten zweieinhalb Stunden abgehandelt, die restlichen sieben Stunden lang wurden halbe Tiere auf dem Grill in kleine Köstlichkeiten verwandelt, es wurde geschmaust, diskutiert und die eine oder andere Flasche Wein geleert (denn trinken tun sie hier alle gerne). Ich habe immer noch nicht den rechten Gefallen am Wein gefunden und mich brav an Pisco Sour gehalten und an den leckeren Erdbeersaft, den wir frisch zubereitet bekommen haben.
Es war wie ein kleiner Wochenendurlaub. Nataniels Haus ist eine Oase der Ruhe. Wenn man einmal aus Santiago raus ist, merkt man erstmal, wie hoch der ständige Lärmpegel in der Stadt ist (und wie schnell man sich an ihn gewöhnt). In San Felipe dagegen konnte man richtig viele Vögelchen trällern hören und Eidechsen beim Sonnenbad beobachten und Orangenbäumchen riechen, die hier gerade wunderschön blühen.
Dazu hat die Sonne geknallt, so sehr, dass wir alle in den Schatten geflüchtet sind und dort das Leben genossen haben.
Auf dem Rückweg nach Santiago gab es einmal mehr einen farbenprächtigen Sonnenuntergang. Die Landschaft zwischen Santiago und der Küste ist sehr karg und wirkt gerade im Abendlicht wie eine Prärie- oder Wüstenlandschaft. Bis man dann irgendwann hinter einer Kurve das Lichtermeer von Santiago erblickt und wieder eingeholt wird vom Rauschen der Großstadt.
Ein anderes Highlight der Woche war die „Fiesta de la primavera“ die an der Fakultät für Ingenieurwesen der Universidad de Chile veranstaltet wurde. Da wird ein ganzer Straßenzug abgesperrt, es gibt Essen und Trinken und eine Bühne auf der bekannte chilenische Bands spielen. Und dann gibt es noch viele viele junge Menschen, die tanzen und feiern und noch mehr tanzen.
Beeindruckend war für mich die Stimmung, die aufkam, als eine Band gespielt hat, die in der Zeit der Pinochet-Diktatur im Widerstand aktiv war und politische und für diese Zeit unglaublich mutige Musik gemacht hat. Da war eine Kraft in den Zuschauern und es wurde mitgesungen. Man hat gespürt, dass die Diktatur hier noch vielen in den Knochen steckt und die jungen Leute nicht wollen, dass so etwas noch einmal passiert.
Wir waren zusammen mit einem Arbeitskollegen und dessen Freundin da und haben so noch ein paar Hintergrundinformationen bekommen, die uns ein bisschen geholfen haben, die Texte und die Musik zu verstehen. Cumbia und Cueca, typische chilenische Tänze haben wir auch kennen gelernt, vom Mittanzen bin ich allerdings noch weit entfernt!
Am Samstag hat mich Aaron, mein Gastbruder mit auf den Markt genommen und ich habe gelernt, wie man um den Preis feilscht, wo es die besten Salate gibt und das es mehr als eine Sorte Avocado gibt (und die auch tatsächlich verschieden schmecken). Das Gewusel auf der „vega“ hat mir supergut gefallen. Der Markt hat hier wirklich Ausmaße der Aachener Innenstadt und zieht sich über mehrere Straßenzüge. Gar nicht so leicht hier den Überblick über Preise und die schönsten Früchte zu behalten.
Da es aber fast alles zu kaufen gibt, was man sich vorstellen kann, geht man auf keinen Fall mit leeren Händen nach hause.
Auf dem Rückweg nach hause habe ich dann noch eine kleine Führung durch die Innenstadt bekommen. Erst über den Fischmarkt, dann an den wichtigsten historischen Plätzen und Gebäuden vorbei und sogar noch auf einen Sprung in die Moneda, den Präsidentenpalast hinein.
Schließlich muss ich ja auch Santiago noch ein bisschen mehr kennen lernen.
In diesem Sinne: Ab auf die Straße und weiter gestöbert!
Ich schicke euch Frühlingssonne und Blütenduft aus einer immer grüneren und immer mehr heimeligen Riesenstadt!
Besito...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen