Diesen Satz haben Sue und ich uns in den letzten zwei Wochen jeden Tag einmal auf der Zunge zergehen lassen wie ein Stückchen der allerbesten Schokolade... All das, was ich vorher in meinem Reiseführer, in Reiseberichten oder in Trekkingbüchern gelesen habe, hat sich von der Vorstellung in eine Menge atemberaubender und farbiger Bilder verwandelt.
Patagonien, das schmeckt ja schon ohne das man jemals dortgewesen ist nach Abenteuer, nach Bergen, nach Einsamkeit und Wildnis. Wenn man dann wirklich da ist, dann klopft das Herz und man kann es gar nicht so richtig fassen und begriffen habe ich es dann auch wirklich erst als wir mittendrin standen.
Und jetzt? Jetzt schmeckt das Wort Patagonien für mich nach noch viel mehr. Es schmeckt nach Gletschern und Seen, nach Felsen und Hügeln, nach Wäldern und Geröllfeldern, nach Blumen, die ich noch nie gesehen und nach Tieren, die ich noch nie gehört habe.
Kurz: Wir haben uns verzaubern lassen, wir sind verzaubert und es war atemberaubend schön.
(Vielleicht kann man hier als gestresster Lerner, fleissiger Arbeiter oder fotosüchtiger Mensch am besten aussteigen und nur noch Bilder geniessen... Für alle anderen geht es jetzt weiter, denn mir liegen noch ein paar Sätze auf der Zunge ;o)
Nach dem ich Sue in drei Tagen kreuz und quer durch Santiago gescheucht, zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten geschleppt, meinen Mitarbeitern vorgestellt und in meine chilenische Familie eingelebt habe und wir die letzten Besorgungen für unser Chileabenteuer gemacht haben, ging es am 8. März los und wir sind in den Süden nach Punta Arenas geflogen. Vom Flughafen ging es gleich weiter nach Puerto Natales, dem Ausgangspunkt für unsere Trekkingtour, den "Circuito Torres de Paine". Bei Evelyn, unserer Herbergsmutter konnten wir die letzten überflüssigen Kilos lagern, noch mal eine ausgiebige Dusche nehmen und von zahlreichen Tipps für ein gutes Essen profitieren.
Und dann gings auch schon los. Morgens um sieben wurden wir vom Shuttlebus abgeholt und mit vielen vielen anderen Touristen in den Park gebracht. Am Parkeingang habe ich dann zum ersten Mal so richtig von meinem "echten Visum" profitiert und mal eben 15€ gespart; Touristen werden eben doch abgezockt, wenn es um Sehenswürdigkeiten in Chile geht. Per Katamaran sind wir dann über einen türkisblauen See zum Ausgangspunkt unserer Tour gebracht worden und da hiess es dann auch endgültig Abschied nehmen von der motorisierten Welt und rein in die Wanderschuhe. Und: Für die nächsten acht Tage auch nicht mehr da raus!
Oh weh! Nach meiner Grossstadtzeit in Santiago, die doch ein wenig fauler und unsportlicher ausgefallen ist, als es sich für einen guten Wanderer und Trekker gehört, habe ich teilweise ganz schön gestöhnt, wenn ich nach einer Kurve der nächste Berg vor meiner Nase aufgetaucht ist. Aber umso schöner ist auf jedem Gipfel das Gefühl gewesen ihn bezwungen zu haben und den wundervollen Ausblick in vollen Zügen zu geniessen.
Wir zwei hatten ein unglaubliches Glück mit dem Wetter. In Santiago hatten uns alle noch vor dem rauhen patagonischen Herbst und den eisigen Nächten gewarnt (und wir hatten schon Angst, das Schlafsack und Zelt dieser Herausforderung nicht standhalten), aber die Sonne war uns vom ersten bis zum letzten Tag treu und hat sich nur dann freundlicherweise hinter den Wolken versteckt, wenn die Anstiege so anstrengend waren, dass mehr Wärme einfach zu viel des Guten gewesen wäre...
In acht Tagen und auf 104 Kilometern (uaaaahhhh, wir sind ja schon ein bisschen stolz auf unsere Füsse und unsere Beine) haben wir die "Torres del Paine" und die "Cuernos del Paine" gesehen, haben den "Paso John Gardner" überwunden, sind mit Mücken um die Wette an den Seen entlang gehuscht, haben vergeblich versucht uns bei schönstem Sonnenschein am Grey-Gletscher satt zu sehen, haben Smaragdsittiche (so unglaublich grün), Magellanspechte und vielleicht sogar einen Puma gesehen (war aber Nacht und es haben mir nur seine Augen entgegengeleuchtet, es gibt natürlich keine Zeugen, aber ich glaube ganz ganz feste daran... und ansonsten war es ein ziemlich grosser Fuchs und zwar ein echter Zorro, jawoll!), wir haben das Glutamat in den Fertiggerichten überlebt und jeden Morgen mit dem allerbesten Trekkermüsli begonnen, wir haben meine Blasen und unsere müden Beine mit dem schönsten Wanderlied besungen und jeden Moment in der Natur in vollen Züge genossen. An unserem letzten Tag im Park kam dann auch endlich mal der versprochene patagonische Wind auf und wir konnten die Berge noch einmal in einer ganz anderen, märchenhaften und mystischen Athmosphäre erleben bevor wir dann wieder in der Zivilisation gelandet sind. Nach acht Tagen mit ganz wenigen Menschen um uns herum war die Bootsfahrt eine kleine Herausforderng für die Ohren.
Als wir dann zurück in Puerto Natales waren hat es auch so richtig angefangen zu regnen und wir sind in den Genuss von patagonischem Dauerregen gekommen. Mit einem Dach über dem Kopf versteht sich. Wir sind ja Glückspilze!
Am nächsten Morgen sind wir nach einer Nacht auf einer Matratze, einem dicken Steak und einer intensiven Dusche dann nach Punta Arenas gefahren. Unsere Körper waren das lange Sitzen im Bus gar nicht mehr gewöhnt und wollten sich an die Faulheit auch gar nicht gewöhnen, aber da der Regen anhielt haben wir ihnen eine Zwangspause verabreicht. Leicht gemacht wurde sie uns durch das tolle Hostel, das wir hier gefunden haben. Ein deutsch-chilenisches Pärchen vermietet zwei Zimmer im eigenen Haus und es war just eine Ladung Freunde und Familie eingetroffen, die uns gleich mit einer grossen Schwarzwälder"frucht"torte (weil auch Erdbeeren drin waren) willkommen hiess.
Erst gestern ist der Regen dann wieder ein bisschen weniger geworden. Wir haben uns das Städtchen angeschaut, sind ins Museum gegangen, haben zufällig eine neuseeländische Trekkingbekannschaft wiedergetroffen und uns riesig gefreut, abends gab es einen Salsakurs im Wohnzimmer und lange Gespräche übers Reisen und Abenteuern. Und heute morgen, pünktlich zu unserem nächsten Ausflug war dann auch die Sonne wieder da... Wir haben 160.000 Pinguine besucht und uns von ihnen einen erzählen lassen. Die waren ja so putzig! Wir hätten sie wahrscheinlich noch lange beobachten können, aber nach einer Stunde auf der Insel wird man vom Ranger wieder runtergeschickt. Zum Schutz der Tiere. Sehr gut!
Danach ging es noch weiter zu den Seelöwen. Die haben hier ihre eigene Insel ein bisschen weiter draussen im Meer, wo sie sich in aller Ruhe gegenseitig angiften können und ihre Männlichkeitsrituale austragen können.
Heute werden wir hier noch unsere Patagonien-Zeit ganz in Ruhe ausklingen lassen und ganz in Ruhe alle Erlebnisse noch einmal Revue passiere lassen, bevor es morgen mit dem Fugzeug gen Norden in die Seen-Region geht. Ab ins nächste Abeteuer!
Adieu, ihr Leute, ihr werdet von uns hören!
Ich schicke euch einen frischen patagonischen Wind und eine feste Umarmung.
Besitos von eurer Line*
P.S.: Mir fallen schon wieder so viele Dinge ein, die ich noch schreiben wollte und jetzt noch gar nicht getippt habe. Von komischen Trekkern, die selbst in der schönsten und ruhigsten Natur dringend ein bisschen Musik auf den Ohren brauchen, von den netten Trekkern, die uns auf der einsamen Seite des Circuito begleitet haben, von einer tollen Pizzeria mit Kennenlernkonzept, von so vielen Ausblicken vom Circuito... naja, ich muss euch ja auch noch etwas zu erzählen haben, wenn ich wieder da bin. Und die Fotos! Ja, die kann ich wohl auch nicht alle hochladen ;o)
P.P.S.: Fotos hochladen dauert zu lange, deshalb gibt es nur einen Link zum Fotoalbum von Sue. Sind dann auch richtig viele Bilder. Und die passenden Geschichten gibt es dann in einem Monat!
Also: http://picasaweb.google.com
Viel Spass...
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